Futterzusätze bei BARF - Was brauchst Du wann?

Barf-Gut. - Geschrieben am 03.02.2020

Ja, ich weiß: Es existieren wirklich unendlich viele Futterergänzungen. So viele, dass man mitunter den Überblick verlieren kann. Und oft fragt man sich: Was davon braucht man unbedingt? Und wann braucht man es? 

Es gibt ein ziemlich einfaches Prinzip, wie man sich da durchwühlen kann: In dem man sich klar macht, warum, man welche Zusätze verwendet.

Futterergänzungen werden oft aus Sorge vor Mängeln genutzt. Man möchte vermeiden, dass dem Hund oder der Katze etwas fehlt. Als BARFer hat man mit dem Thema "Mangelerscheinungen" besonders häufig zu tun: Nicht, weil BARF tatsächlich zwingend zu Mangelerscheinungen führt. Das ist ein Ammenmärchen, bei dem aber leider häufig gezielt Ängste geschürt werden. Da ist der Griff zu einer Futterergänzung, in der von allem ein bisschen enthalten ist, quasi unausweichlich. Calcium, Vitamine, vielleicht ein paar Kräuter.

Denn wer möchte schon das Gefühl mit sich herum tragen, dass man die Gesundheit seines Tiers durch unausgewogene Fütterung gefährden könnte? Und schaden kann es ja nicht, oder? Man kann das so handhaben, keine Frage. Aber wenn man Futterzusätze sinnvoll einsetzen möchte und so, dass sie Deinem Hund oder Deiner Katze auch tatsächlich nutzen, dann ist der Ansatz ein anderer.


Dann lautet die richtige Frage: Wann brauchst Du welchen Futterzusatz? Denn Futterergänzungen dienen immer einem bestimmten Ziel. 

Sehr wahrscheinlich wirst Du nicht morgens unter der Dusche stehen und plötzlich denken: "Heute wird´s Zeit für eine Futterergänzung!". Sondern Du möchtest in den allermeisten Fällen etwas ganz Konkretes erreichen. 

Erstes mögliches Ziel: Nährstoffausgleich


Bleiben wir beim Beispiel Nährstoffe: Du hast dieses diffuse Gefühl, dass Deinem Hund oder Deiner Katze etwas fehlen könnte. Weil vielleicht plötzlich Schuppen im Fell auftauchen oder er / sie stärker haart als sonst. So etwas kann viele Ursachen haben und es kommen daher unterschiedliche Futterergänzungen in Frage, die hilfreich sein können.

Um nun wirklich einschätzen zu können, welcher Zusatz hilfreich ist, musst Du erst einmal wissen, was evtl. in der Fütterung fehlt: Omega-3-Fettsäuren? Gesättigte Fettsäuren? Zink? B-Vitamine? Kupfer? Sollte der Stoffwechsel unterstützt werden? Ist das Futter einfach schlecht verdaulich?


Das bedeutet: Als erstes schaust Du Dir die bisherige Fütterung an. Kann man bei der Zusammensetzung etwas optimieren? Wir gehen jetzt einfach mal davon aus, dass keine Erkrankung die Ursache für die Probleme ist. Wenn Du beispielsweise barfst und keine Knochen fütterst, brauchst Du einen Calciumzusatz wie Fleischknochenmehl oder Eierschalenmehl. Problem erkannt, Problem gelöst.


Aber es gibt Fütterungsprobleme, die man nicht so einfach mit Zusätzen aus der Welt schaffen kann. Zum Beispiel, wenn die Verdaulichkeit des Futters gering ist, der Darm dadurch Schwerstarbeit leisten muss und es immer wieder zu weichem Kot kommt oder Darmentzündungen. Dann kann man zwar eine Futtergänzung wie beispielsweise Zeolith nutzen, um den Kot zu festigen oder Slippery Elm Bark (Amerikanische Rotulmenrinde). Aber solange man die Fütterung selbst nicht verändert, kaschiert man so nur die nach außen sichtbaren Auswirkungen und löst nicht das eigentliche Problem.


Wenn Du Dir sicher bist, dass Deine Fütterung grundsätzlich in Ordnung ist, dann können Futterergänzungen aus anderen Gründen sinnvoll sein.

Beispielsweise: Dein Hund durchlebt aktuell eine stressige Zeit, weil Bauarbeiten und Lärm im Haus sind. Unter dauerhaftem Stress steigt der Vitamin-C-Bedarf und die Eigenproduktion im Körper reicht unter Umständen nicht mehr aus. Hier kann es also notwendig sein, beispielsweise Hagebutten als natürlichen Vitamin-C-Lieferanten mit zur Fütterung zu geben.


Aber die Versorgung mit wichtigen Nährstoffen ist übrigens kein echtes BARF-Thema. Futterzusätze können grundsätzlich auch bei Fertigfutter sinnvoll oder sogar notwendig sein. Es gibt auch bei Fertigfuttersorten häufiger den Fall, dass die enthaltenen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente den Bedarf nicht komlett decken oder deutlich überdosiert enthalten sind. Das kann mit der Zusammenstellung eines Futters zu tun haben oder mit den ernährungsphysiologischen Zusatzstoffen. In jedem Fall lohnt auch hier ein zweiter Blick. Wenn man es genauer wissen möchte, kommt man ums Nachrechnen nicht herum. Und dann gilt genauso wie bei BARF: Was zu wenig enthalten ist, muss wahrscheinlich durch Zusätze ergänzt werden.

Futterergänzungen für einen besonderen Bedarf


Das ist ein anderes, wichtiges Einsatzgebiet von Futterergänzungen: Wie schon beschrieben, gibt es manchmal Situationen, in denen Hund oder Katze etwas zusätzliche Unterstützung gut tun kann. Auch dann, wenn die Fütterung total perfekt ist.


Zum Beispiel als Unterstützung des Bewegungsapparates - das kann beispielsweise bei grösseren Rassen oder alten Hunden auch prophylaktisch eine gute Idee sein.

Oder im Frühling zur Unterstützung des Stoffwechsels. Oder zur Stärkung des Immunsystems. Oder als Erholung für die Leber. Oder, oder, oder...
Typische Futterergänzungen aus diesem Bereich sind Kräuter für Hunde, bestimmte Öle (Borretschöl, Nachtkerzenöl, Schwarzkümmelöl) oder B-Vitamine.

Der große Unterschied zu den zuvor genannten Zusätzen und dem Einsatzgebiet "Nährstoffoptimierung": Diese Zusätze sind nicht von der Fütterung abhängig, sondern einzig und allein von Deinem Tier und seinen individuellen Bedürfnissen abseits der Ernährung.

Deswegen kann man an der Stelle auch schlechter pauschal Ratschläge geben, welche Zusätze wann passen. Im Zweifelsfall solltest Du hier einen Tier-Ernährungsberater hinzuziehen.

Fazit


Futterergänzungen können ihren Nutzen immer dann am besten ausspielen, wenn sie zielgerichtet eingesetzt werden. Willst Du sie zur Verbesserung der Nährstoffversorgung nutzen, dann frag Dich vor allem: Was fehlt in meiner Fütterung und was ist geeignet, um diesen Mineralstoff / dieses Vitamin oder Spurenelement zu ergänzen?

Ergänzungen bei einem besonderen Bedarf sind in der Regel unabhängig von der Nährstoffzufuhr, hier spielen meistens eher gesundheitliche Themen eine Rolle. Auch hier gilt: Futterergänzungen können keinen Tierarztbesuch ersetzen. Wenn Probleme sehr lange bestehen, keine Tendenz zur Besserung zeigen oder sich eher verschlechtern, dann wird es Zeit, dass erst einmal abklären zu lassen.

Zusätze, die Du bei BARF für Hunde meistens benötigst:

  • Omega-3-reiche Öle (Lachsöl, Krillöl oder Omega 3-6-9-Ölmischungen)
  • Seealgenmehl (Jod)
  • nur, wenn keine Knochen gefüttert werden: Calciumzusätze

Alles andere richtet sich nach Deinem Hund und der Futterzusammenstellung

Zusätze, die Du bei gekochter Fütterung für Hunde in der Regel benötigst:

  • Calciumzusätze
  • Seealgenmehl (Jod)
  • Omega-3-reiche Öle (Lachsöl, Krillöl oder Omega 3-6-9-Ölmischungen)
  • Vitamin-B-Komplex

Alles weitere richtet sich nach Deinem Hund und der Futterzusammenstellung. Du kannst für selbstgekochte Fütterung auch spezielle Komplettzusätze nutzen, in denen alle wichtigen Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine für Hunde enthalten sind.

Und für Katzen? Da richtet sich die Verwendung von Zusätzen sehr stark nach der Futterzusammenstellung, stärker als bei Hunden. Und auch deutlich stärker als bei Hunden hängt die Verwendung davon ab, was Deine Katze zu fressen bereit ist. Selbstverständlich kannst Duc auch für Katzen einzelne Futterergänzungen nutzen: Lachsöl oder Krillöl als Omega-3-Lieferanten sind unabhängig von der Fütterung (BARF, Fertigfutter, selbst gekocht) eine gute Idee. Gleiches gilt für Taurin. Einen ersten Überblick zum Thema Katzen barfen und den benötigten Zusätzen bekommst Du hier:  https://barf-blog.de/katzen-barfen-schritt-fur-schritt/

Zum Thema Futterergänzungen gibt es auch eine Podcast-Folge:  https://barf-blog.de/bgp006/